Kolikdiagnostik und konservative Therapie

Der Begriff „Kolik“ wurde für die Magen- und Darmerkrankungen schon im Altertum geprägt und vom Wort Kolon abgeleitet, in dem man den Sitz der Erkrankung vermutete. Heute wird er in Analogie zur Humanmedizin auf alle Krankheitszustände angewandt, bei denen Pferde unabhängig von der Genese durch auffälliges Verhalten Schmerzen oder Unbehagen zum Ausdruck bringen. Somit ist die Kolik keine Krankheit, sondern eine Aufforderung an den Tierarzt, eine systematische und differenzierende Diagnostik zu betreiben.

Grundlage für die differentialdiagnostische Abklärung, für eine erfolgreiche konservative Behandlung oder die Entscheidung zur operativen Therapie ist ein der jeweiligen Situation angepasster, systematischer klinischer Untersuchungsgang des Kolikpatienten.
Die maßgeblichen Entscheidungskriterien sind hierbei wie folgt: Das Allgemeinbefinden des Patienten, die Schmerzsymptomatik, die kardiovaskulären Parameter, der Abdomenbefund (Auskultation, rektale Untersuchung, Ultraschalluntersuchung), die Laborparameter, die Parazentese und vor allem auch ein Ansprechen auf die bereits durchgeführten therapeutischen Maßnahmen.
Die entsprechenden Untersuchungen bzw. die Erhebung der angeführten Parameter müssen dabei in regelmäßigen Abständen wiederholt durchgeführt werden, bis entweder der Patient stabilisiert werden konnte oder eine differentialdiagnostische Abklärung bzw. eine klare Operationsentscheidung getroffen werden konnte.

 

Kolikoperation

1970 wurde die Ileus(=Darmverschluss)-Chirurgie beim Pferd eingeführt und damit ein maßgeblicher Beitrag zur Entwicklung der Kolikchirurgie geleistet. In den Folgejahren wurden die abdominal-chirugischen Verfahren soweit etabliert, dass diese Techniken bis heute beim akuten Ileuspatienten unverändert Bestand haben.

In Analogie zur Humanmedizin haben in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten die minimalinvasiven Therapieverfahren in der Pferdechirurgie immer mehr Bedeutung erlangt.
Obwohl durch die speziesspezifischen anatomischen oder pathophysiologischen Gegebenheiten operationstechnische Grenzen gesetzt sind und es daher beim akuten Koliker bisher kaum eine Indikationsstellung für die endoskopische Chirurgie gibt, gewinnt diese Technik vor allem als präventives Operationsverfahren (zB. Milz-Nieren-Raum-Verschluss, Verschluss Zwerchsfellhernie) in Ergänzung zu den konventionellen Therapieverfahren zunehmend an Bedeutung.